Total verschlafen starteten wir Freitag Vormittag unseren Wochenendtrip nach Leipzig. Die Weihnachtsfeier ging doch länger als geplant, so legten wir in der frisch bezogenen Ferienwohnung erstmal einen Mittagsschlaf ein, bevor es auf zur ersten Erkundung ging. Wir wohnten relativ zentrumsnah. Die Innenstadt war in 15 Minuten zu Fuß bequem zu erreichen, verschafften wir uns erst mal einen Überblick. Anders als in Nürnberg oder Dresden sind in der gesamten Leipziger Innenstadt mehrere Weihnachtsmärkte verteilt. Teilweise fand ich das Schade, da zu viele Menschen unterwegs waren und alle Plätze zugestellt waren, aber so kannten wir bald alle Seitenstraßen und Passagen.
Nach nur wenigen Minuten wurde auch schnell klar, wohin der bisherige Soli floß. Top modern zeigt sich die Innenstadt… krassestes Beispiel ist dieser im Bau befindliche City-Tunnel der auf 700 Millionen Euro Kosten veranschlagt wird, nur damit einige Verbindung bis zu 21 Minuten schneller sind… und, wenige hundert Meter weiter stehen Häuser leer und verfallen… werden die Steuergelder da nicht am falschen Ende verpulvert?
Irgendwo las ich, dass man unbedingt den Auerbachs Keller in der Mädlerpassage gesehen haben muss. Somit wählten wir diese bekannteste und zweitälteste Gaststätte Leipzigs um zu Abendessen. Ich war echt von der Organisation und dem Ambiente erstaunt. Massenabfertigung vom feinsten und das Essen war auch nur mittelmässig. Mama’s Rouladen sind halt immer noch die besten.
Samstags setzten wir um 10 Uhr unsere Erkundungsreise fort. Über seltsame Umwege, durch den städtischen Friedhof, erreichten wir das Völkerschlachtsdenkmal was als größtes Denkmal Europas zählt. Habt ihr das gewusst? Von dort aus führte uns der Weg zur Russischen Gedächniskirche und dann zum sehenswerten größten Kopfbahnhof Europas, dem Leipziger Hauptbahnhof was gleichzeitig als Konsumtempel dient.
Sehr viel spannender aber war der besuch des Stasi-Museums in der “Runden Ecke”. Dokumente, Gegenstände, Hintergrundgeschichte, Informationen aus der Stasi-Vergangenheit wurden zusammengetragen und in den original Räumen des Ministeriums für die Staatssicherheit ausgestellt. Man muss sich hierfür schon etwas Zeit nehmen. Was sagte ein Besucher dort zum Thema Überwachung und Kontrolle… “zumindest eine Sache, was in der DDR funktionierte”. Wahnsinn… welch Aufwand damals betrieben wurde… um so nachdenklicher stimmt mich die Situation jetzt… heutzutage muss nur ein Port an zentraler Stelle umkonfiguriert werden und schon könnte ein derartiges Ministerium alles mitlauschen, aufwendige Installationen von Wanzen sind nicht mehr nötig. Und dieses Beispiel gilt für so viele Punkte… ob das besser ist?
Etwas in Gedanken wollten wir unbedingt die ach so tolle Thüringer Rostbratwurst probieren… ich muss sagen… eine in Fett getunkte Semmel hätte es auch getan. Da Lobe ich mir die Frängische!
Auf den Schock brauchten wir einen Kaffee und hierzu begaben wir uns in luftige Höhe, auf das mit 142 Meter höchste Hochhaus Leipzigs… die Aussichtsplattform sparten wir uns, war eh schon zu dunkel. Nach ein paar fotografischen Experimente beendeten wir diesen und meinen Geburtstag mit einem leckeren Essen.
Abends überdachten wir nochmal den Tag und stellten fest, dass wir eigentlich das was uns interessierte, schon alles gesehen haben. Spontan entschlossen wir also, am Sonntag früh aufzubrechen, um das Bundesland Sachsen zu erkunden. Bitterfeld, Ferropolis, Wörlitz, Coswitz, Naumburg, Bad Kösen war so unsere Route. Wahsinn, welch kulturell wertvolle Orte es da überall gibt.. da wären die Steuergelder besser investiert, als in Konsumpalästen…
Besonders genial war Ferropolis. Auf einer Halbinsel eines ehemaligen Braunkohleabbaugebietes stehen 5 riesige bis zu 2000 Tonnen, 125 Meter lange und 30 Meter hohe Stahlungetüme… Wahnsinn und sehr beeindruckend.
Auch abgefahren war das 320 Meter mächtige Gradierwerk in Bad Kösen. Was es nicht alles gibt.
In allem mal wieder ein sehr geniales Wochenende. Danke Nane.
Achja, weitere Bilder werden in den kommenden Tagen auf Flickr und/oder auf fotolism.us zu sehen sein.
















on Dez 15th, 2008 at 11:50
cool, was ihr so macht…voll interssant, steckt an, weiter so!
on Dez 16th, 2008 at 12:00
Cooler Ausflug, danke für den Bericht.
Als ob ich dabei gewesen wäre!
on Dez 16th, 2008 at 6:12
“Nach nur wenigen Minuten wurde auch schnell klar, wohin der bisherige Soli floß.”
Ser Satz hat beim richtigen Publikum bestimmt ganz gute Sprengkraft… *g*
on Dez 18th, 2008 at 1:14
Es war ein schönes Wochenende, ich hab dir zu danken.
Das Stasi-Museum ist zu empfehlen und Ferropolis ist eine Reise wert.
Und ich freu mich schon auf unseren nächsten Kurztrip bzw unsere nächste Urlaubsreise.
on Dez 19th, 2008 at 11:18
Ob unnötige Bebauung oder nicht persönlich finde ich Leipzig eine der schönsten Städe der neuen Bundesländer…
Alles toll bis auf den Dialekt
on Dez 19th, 2008 at 11:41
Was den City-Tunnel angeht möchte ich noch anmerken, dass dieser nicht wirklich nötig ist. Leipzig ist eine der wenigen Städte, die so etwas wie Stau oder Rush-Hour nicht kennt.
Der Auerbachs Keller war in der Vorwendezeit ganz wichtig für die Stadt, für Devisen und nur mit langer Anmeldefrist zu besuchen.
Seid ihr das Völkerschlachtdenkmal auch mal hochgelaufen? Der Weg wieder runter ist sehr abenteuerlich.
Wenn du mal wieder diese Gegend unsicher machst, nimmst du mich als erfahrenen Reiseführer mit.
on Dez 22nd, 2008 at 6:42
@Gerhard ein Satz mit Sprengsatz? Mag sein… ich meinte es durchweg positiv. Moderne saubere Stadt, sehr gut ausgebautes Straßennetz, Renaturisierung in vielen Braunkohletagebaugebieten… das sind so Punkte die mir auffielen.
@Basti Dank Freunde bin ich diesen Dialekt mittlerweile gewohnt.
@Carsten Vielen Dank für das Angebot, im Frühsommer ist Leipzig/Halle/Umgebung mit Sicherheit auch einen Besuch wert.
on Aug 28th, 2010 at 2:20
Vielen Dank für diesen sehr ordentlichen Reisebericht. Es zeigt sich mal wieder das Leipzig wirlich immer eine Reise Wert ist und mit seinen vielen Facetten ein breit gefächertes Publikum anspricht.